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Die verrückte Ski-Truppe
Freestyle Team

Mit diesem Slogan wirbt zwar ein Autohersteller, doch er würde auch ziemlich gut zum Freestyle Team Fricktal passen. Was die Skisportler an Wettkämpfen und Shows zeigen, ist jedenfalls spektakulär.
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Während Herr und Frau Schweizer froh sind, wenn sie sich ohne grössere Probleme auf den Skis halten können, wirbeln die Mitglieder des Freestyle Teams Fricktal durch die Luft, vollführen waghalsige Sprünge in der Halfpipe, bezwingen abenteuerliche Parcours oder sie tanzen über die (Buckel-)Piste.

«Kreatives Skifahren», nennt Daniel Hilpert, Mitbegründer und Präsident des Freestyle Teams, seinen Sport. Er und sein Vater Hans Hilpert – ehemaliger Club-Präsident – haben einen Grossteil der Vereinsgeschichte mitgeprägt.

Der Senior ist in diese Rolle hineingerutscht. Obwohl von Kindesbeinen an selbst gerne auf Skis gestanden («Meine ersten Skis bastelte mein Vater aus Fasstuben und nagelte Mutters alte Schuhe darauf.»), ist doch sein Nachwuchs schuld daran, dass er und seine Frau Ruth auch im Rentenalter noch mit Leib und Seele bei den Skiakrobaten mitmachen. Sämtliche vier Söhne pflegten nämlich dieses Hobby. Und bereits ist die nächste Generation der Freestyle-verrückten Familie aktiv. «Meine Tochter Dominique und mein Sohn Lorenz gehören zu unseren Nachwuchshoffnungen», sagt Daniel Hilpert. An den Schweiezrmeisterschaften 2006 hat Dominique auf der Buckelpiste Bronze und in der Halfpipe Silber gewonnen und Lorenz errang auf der Buckelpiste Silber.

Ganz allgemein blickt der Verein auf einen äusserst erfreulichen Start ins Jahr 2006 zurück: Clubmitglied Evelyne Leu gewann an den Olympischen Spielen in Turin (I) die Goldmedaille im Aerial, dem Schanzenspringen, und ausserdem den Gesamt-Weltcup. Ebenfalls auf der Schanze wurde Nadja Leuenberger zur Junioren-Vize-Weltmeisterin gekürt, weiter gab es einen vierten WM-Platz im Skicross zu verzeichnen und schliesslich wurde das Freestyle Team auch noch zum Fricktaler Sportclub des Jahres gewählt.

Einige Gründe zum Feiern also. Das grösste Fest wurde für Olympiasiegerin Evelyne Leu organisiert, die zwar im zürcherischen Mettmenstetten trainiert und in Frenkendorf wohnt, aber in Möhlin aufgewachsen ist. Im Dorf der drei Kirchen lässt es sich gut festen, da sind sich Vater und Sohn einig. Ihnen gefällt es hier, beide sind im Ort aufgewachsen. Der Junior wohnt inzwischen zwar in Rheinfelden, aber das ist ja nicht weit weg von der Heimat. In Möhlin hat Daniel Hilpert auch Ski fahren gelernt – und sich dabei einmal an der Schaufelgasse das Bein gebrochen. Doch das hat ihn nicht abgehalten, seinem Hobby weiterhin zu frönen und in die Skiakrobatik einzusteigen.

Doch was ist Freestyle überhaupt? Bei Wettkämpfen unterscheidet man zwei Kategorien – Old School Discipline und New School Discipline. Zur alten Schule (Old School) gehören Moguls (Buckelpiste), Aerials (Springen auf Schanzen mit bis zu 70% Neigung) sowie Ballett (früher auch Akrobatik- oder Trickskifahren genannt). Moguls und Aerials sind olympische Disziplinen, beim Ballett – wo die Schweizerin Conny Kissling in den 80er- und 90er-Jahren viele Titel errang – gibts keine Wettkämpfe mehr. Dafür wurden neue Disziplinen (New School) kreiert: Big Air (Schanzenspringen), Halfpipe (wie beim Snowboard), Slope Style (Funpark mit Hindernissen wie beim Skateboard) und Skicross (Verfolgungsrennen auf einer Piste mit Schanzen, Mulden und Steilwänden). Daniel Hilpert: «Skicross und Halfpipe könnten bald ebenfalls olympisch werden.»

Im Augenblick ist das allerdings noch Zukunftsmusik. Wagen wir deshalb einen Blick in die Vergangenheit. Die Geschichte des Freestyle Teams reicht bis ins Jahr 1979 zurück, 1981 wurde der Club Mitglied des Schweizer Skiakrobatik-Verbandes, welcher inzwischen im Schweizer Skiverband Swiss-Ski aufgegangen ist.

Gegenwärtig hat das Freestyle Team rund 80 Mitglieder, die aber längst nicht alle im Fricktal wohnen. Hans Hilpert: «Ausser aus der Region stammen unsere Leute aus Schwanden im Kanton Glarus, aus Unterseen und Grindelwald im Kanton Bern, aus dem Tessin sowie aus Deutschland.» Die «Internationalität» des Clubs ergibt sich aus der Tatsache, dass einst schweizweit 21 Freestyle-Clubs existierten, inzwischen gibts jedoch nur noch wenige wirklich aktive Vereine.

Die Hilperts leben für und mit dem Freestyle Team. Vater Hans ist heute vornehmlich für den Transport, den Auf- und Abbau der Pisten bei Shows und allerlei andere organisatorische Dinge zuständig, während sich Sohn Daniel nach seinem Rücktritt vom Aktivsport zusammen mit anderen vor allem um die Organisation von Wettkämpfen kümmert. Beide prägen die Vereinsgeschichte aber seit dessen Bestehen mit. Dem Verein ebenfalls viel gebracht hat Konrad Hilpert, der jüngste Sohn von Hans Hilpert. In seiner Disziplin, dem Acro, gehörte er jahrelang der Weltspitze an und war damit natürlich ein Aushängeschild für das Freestyle Team.

Besonders rund geht es seit 1988, als die erste Show auf die Beine gestellt wurde. «Damals bekam ich einen Anruf von der Swissair, ob ich nicht für einen Kundenanlass in der venezolanischen Hauptstadt Caracas eine Show organisieren könnte», erinnert sich Hans Hilpert. «Natürlich sagten wir zu.» Was das genau bedeutete, wussten er und seine Freude damals nicht. Kurz entschlossen flog das Bauernehepaar Ruth und Hans Hilpert nach Caracas, um sich die Sache vor Ort anzusehen. Es zeigte sich, dass es wesentlich billiger war, am Swimmingpool des «Hotel Tamanaco», wo die Show stattfinden sollte, eine völlig neue Schanze bauen zu lassen als die bereits vorhandene Sprungvorrichtung aus der Schweiz einzufliegen. Kosten von 8000 Franken standen einem Betrag von 48 000 Franken gegenüber. «Die Schanze in Venezuela wurde so konstruiert, dass wir später zu Hause nach denselben Plänen eine eigene Schanze anfertigen lassen konnten», sagt Hans Hilpert. «In der Schweiz verschlag das allerdings 120 000 Franken.»

In Südamerika war der Bau des Showgeräts ein ziemliches Abenteuer, das Vater und Sohn heute ein Schmunzeln entlockt, damals jedoch viele Schweisstropfen kostete. Zuerst habe es nur Bambus als Baumaterial gegeben, doch das sei für diesen Zweck untauglich gewesen, so Hans Hilpert. Er erforderte einigen Erfindergeist und das Organisationstalent von einheimischen Helfern zur Realisierung des ambitiösen Vorhabens. Selbst beim Feuerwerk mussten die Freestyler kreativ sein. Weil sich in Caracas nichts Geeignetes fand, flog die Swissair das Feuerwerk schliesslich kurzerhand aus der Schweiz ein. Hilpert senior: «Natürlich inoffiziell, denn ein solcher Transport wäre gar nicht erlaubt gewesen.» Seine Augen beginnen zu leuchten, wenn er an diese Pionierzeit zurückdenkt. Und er lacht beim Gedanken daran, was einigen jungen Teammitgliedern widerfuhr, als sie abends in den Ausgang gehen wollten. «Hundert Meter vom Hotel entfernt wurden sie von der Polizei aufgegriffen und abgetastet. In dieser Gegend spazierte man nachts nicht einfach so herum – ausser man gehörte einer Bande an.»

Die ursprünglich als einmaliger Anlass geplante Show hat inzwischen zur festen Grösse im Vereinsleben entwickelt. Natürlich ist nicht jeder Auftritt gleich, aber man springt mehrmals jährlich vor Nicht-Wettkampf-Publikum. Das Zürifäscht steht jedes Jahr auf dem Programm der Skitruppe aus dem Fricktal, beim Möhliner Dorffest wurde hinter dem Gemeindehaus in eine Wassergrube gesprungen und an der Bundesfeier in Basel von einem Schiff mitten im Rhein direkt in den Fluss.

Unvergesslich für alle Beteiligten waren ausserdem die Shows an Kundenevents von Schweizer Firmen in 1996 Singapur sowie im Jahr 2000 in Peking, von denen es ebenfalls einige Anekdoten zu berichten gibt.

So drohte in Singapur ein Gewitter den Auftritt zu ruinieren, bevor er begonnen hatte. Hans Hilpert: «Wir mussten die Werbebanderolen von der Schanze reissen, weil wir Angst hatten, dass der Wind sonst die ganze Konstruktion ins Meer tragen würde. Das schwitzte ich ziemlich, denn es war unklar, ob wir die Show überhaupt noch durchführen konnten.» Zudem kämpften die Athleten fast ausnahmslos mit Ohrenproblemen, da sie beim Baden Keime aufgelesen hatten. Am Ende klappte dann aber trotzdem alles reibungslos.

Andere Probleme ergaben sich in der chinesischen Hauptstadt. Dort traf die Freestyler beinahe der Schlag als ihre Schanze am Veranstaltungsort angeliefert wurde. «Man hatte das Material am Flughafen einfach aus dem Container geladen und kreuz und quer auf die Ladefläche eines Lastwagens geworfen», so Hilpert senior. Der entstandene Schaden betrug nicht weniger als 12 000 Dollar, was damals ungefähr 21 000 Franken entsprach.

«Befindet sich die Schanze nicht für Showzwecke im Einsatz, wird sie im Sommer fürs Training genutzt», erklärt Daniel Hilpert. Dann steht sie am Rhein, oberhalb des Kraftwerks Ryburg-Schwörstadt.

Neben der Sprungschanze verfügt das Freestyle Team Fricktal über eine Piste mit Kunststoffbelag Ursprünglich für Akroballett-Vorführungen geplant, wird sie heute hauptsächlich von Kindern genutzt.

Diese Show-Anlässe sind wichtig zur Nachwuchsanwerbung und -förderung. Mindestens so grosse Bedeutung kommt aber den Vorbildern zu. Aushängeschilder wie Olympiasiegerin Evelyne Leu können viele Buben und Mädchen dazu animieren, in diesen vielseitigen und trendigen Sport einzusteigen. Bereits reift im Freestyle Team die nächste Generation von Champions heran. Daniel Hilpert: «Wir haben mehrere grosse Talente im Freestyle Team, von denen wir uns an den Olympischen Winterspielen 2010 im kanadischen Vancouver und vier Jahre später an noch unbekanntem Austragungsort einiges erhoffen.» Die Erfolgsgeschichte wird also weitergehen.

Die Skikünstler im Internet

Wer mehr über das Freestyle Team Fricktal erfahren und sich tolle Fotos von Wettkämpfen und Shows ansehen möchte, klickt www.freestyle-team.ch an. Informationen zu Freestyle allgemein gibts auf www.swiss-ski.ch.

«Nichts ist unmöglich!»
Piktogramm der 3 Kirchen von Möhlin