Max Horlacher beim EntwerfenHorlacher FahrzeugeHorlacher Fahrzeuge
 
 
 

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Max Horlacher in einem seiner Fahrzeuge

Mit dem Bestehenden hat sich Max Horlacher nie zufrieden gegeben, sondern stets nach neuen Wegen gesucht. Kein Wunder also, dass der Unternehmer auf eine beeindruckende Erfinderlaufbahn zurückblicken kann. Und noch immer steht seine Firma für Innovation und ungewöhnliche Lösungen.
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Das Normale war Max Horlacher seit jeher zu langweilig. Bereits in früher Jugend wollte der Möhliner Bub neue Welten erobern. Autos, die Fliegerei und das Reiten hatten es ihm angetan. «Mein absoluter Traumberuf war Autobauer», sagt der 1931 geborene Geschäftsmann.

Zwei Berührungspunkte mit dieser Industrie gab es schon früh im Leben des Max Horlacher. Für einen – allerdings indirekten – Berührungspunkt sorgte der Vater, als er bei der Bata-Fabrik in Möhlin anheuerte. Horlacher junior: «Das war deshalb spannend für mich, weil das Produktionsmuster der Schuhfabrik bei Ford abgeschaut worden war.» Der zweite und wesentlich prägendere Kontakt zur Automobilindustrie erfolge über seinen Onkel und Götti Paul Horlacher. Dieser baute in in Molsheim bei Colmar Karosserien für Bugatti und war Mitbesitzer der «Carosserie Gangloff», welche heute in der Oldtimer-Welt ein Begriff ist. Wenn der Götti mit einem edlen Bugatti die Verwandtschaft im Fricktal besuchte, war das jedes Mal ein Ereignis. «So einer will ich auch werden», sagte klein Max damals. «Meine Mutter entgegnete jedoch völlig zurecht: <So viel Schwein hat nur einer von Tausend. >»

Der Traum vom Autobauen musste also warten. So lernte Max Horlacher Keramikmaler. Was ihn nicht sehr glücklich machte: «Scheisshäfen anzumalen interessierte mich nicht im geringsten. Ich wollte kein Keramikmaler sein, weil diese Arbeit meistens Frauen verrichteten.» Diese Einstellung änderte sich jedoch, als der junge Mann merkte, dass man mit Keramik auch formen und Modelle bauen kann.

Nun war seine Neugier geweckt. Und sein Erfindergeist. Er überlegte, war er aus seinem Beruf machen könnte. Als erstes entwickelte Horlacher einen kleinen Brennofen für Bastler. Ausgeliefert wurde das Gerät als Set mit Glas, Pinsel, Farbe sowie einem Stück Ton. «Tatsächlich verkaufte ich einige Exemplare davon», erinnert sich der Pionier. «Man hätte dieses Geschäft weiterführen können, aber für mich war das <Gingernillis >, der mich nicht befriedigte.»

Nur logisch also, dass er seine eigene Firma gründen wollte. Doch zuvor absolvierte Max Horlacher ein Stage bei seinem Patenonkel im Elsass. Bereits 1957 baute Paul Horlacher erste Autobusse mit Kunststoffstossstangen. «Mein Götti schickte mich zudem an einen Ort, wo man Rennwagen herstellte, die mit einem Hubraum von 750 m 3 das berühmte 24-Stunden-Rennen von Le Mans gewannen. Das beeindruckte mich sehr.» Irgendwie machte es in dieser Zeit «Klick» bei ihm, auch wenn sich das nicht in entsprechenden Produkten niederschlug. Vorerst jedenfalls.

Im Jahr 1960 folgte ein wichtiger Schritt – die Horlacher AG wurde geboren. Max Horlacher schmunzelnd über seine Anfänge: «Der erste Firmensitz war ein Schuppen auf Nünzähbärge, in dem es weder Wasser noch Strom gab.» Dennoch wurden dort Tausende Strassenlampen gefertigt ebenso wie erste Innenverkleidungen für Eisenbahnwagen. An diesem – je nach Sichtweise – romantischen oder abenteuerlichen Unternehmenssitz bauten Max Horlacher und seine Kumpane zudem ihr erstes Auto. «Das Geld dafür bekamen wir allerdings erst zwei Jahre später. Per Gerichtsentscheid und nur die Hälfte der ursprünglich vereinbarten Summe.» Heute kann der Patron darüber lachen, doch damals war das teures Lehrgeld.

Etwa zur selben Zeit arbeitete Max Horlachers Vater bei der Schindler Waggonfabrik in Pratteln, wo man im Eisenbahnbau Kunststoff einsetzte. Der Junior ergatterte einen Auftrag von Vaters Brötchengeber und fabrizierte fortan Kunststoffteile für Schindler. Es war der Einstieg in einen Unternehmenszweig, welcher für die Horlacher AG noch heute sehr wichtig ist. Sie beliefert Waggonbauer in der Schweiz und Europa mit Konstruktionen, Verschalungs- und Verkleidungsteilen. So war Horlacher massgeblich an der Entwicklung der Innenauskleidung der Zürcher S-Bahn beteiligt. Mit seinen Produkten fahren ausserdem die Doppelstockwagen der SBB, die belgischen Züge, die Cobra-Trams in Zürich und die U-Bahn in der französischen Stadt Lille. Des Weiteren werden in Möhlin beispielsweise Sitzschalen für Giroflex-Bürostühle hergestellt, ebenso wie Fassadenteile. Die in der Region wohl bekannteste Kreation ist die Hülle der Autobahnraststätte Pratteln.

Sämtliche Elemente sind in Leichtbauweise gefertigt. Auf diesem Gebiet ist Horlacher ein Pionier. Logisch auch, dass die Erkenntnisse aus dem Fassaden- und Waggonbau Eingang in seinen Traum vom Autobauen gefunden haben. Zwar hatte er schon immer nur sparsame Kleinwagen bessessen, doch die auf dem Markt befindlichen Modelle genügten ihm nicht. «Als in den 80er-Jahren erstmals vom Treibhauseffekt gesprochen wurde, realisierte ich, dass es so nicht weitergehen kann und energieeffizientere Autos gebaut werden müssen», erklärt Max Horlacher. Als Mann der Tat machte er sich gleich selbst daran und gründete 1985 in seinem Unternehmen die Abteilung Fahrzeugbau. In den folgenden gut 20 Jahren sind nicht weniger als 14 Prototypen entstanden, welche Verbundwerkstoffe so einsetzen, dass sie sowohl Energieeffizienz als auch Insassensicherheit bieten. Die Palette der Fahrzeuge mit Elektro- oder Hybridantrieb reicht vom einfachen zweiplätzigen Stadtflitzer über den für einen thailändischen Kunden gebauten Luxus-Vierplätzer bis hin zum Personentransporter für Messen, Freizeitparks oder Flughäfen.

Besonders stolz ist Max Horlacher auf seinen prominentesten Testfahrer: Der als umweltfreundlichen Lösungen sehr zugetan bekannte, damalige US-Präsident Bill Clinton setzte sich 1994 auf der McClellan Airforce Base in den USA in ein Horlacher-Leichtbaufahrzeug.

Den eigentlichen Anstoss zum Fahrzeugbau hatte jedoch Anfang der 80er-Jahre der Zigarren- und Velofabrikant Kaspar Villiger gegeben. Er sah damals im Verkehrshaus Luzern das von Horlacher gebaute und 36 Kilo leichte Muskelkraftflugzeug «PELARGOS». Das beeindruckte den späteren Bundesrat so sehr, dass er sich an Max Horlacher wandte. Er war verzweifelt, denn er wollte an der Tour de Sol teilnehmen, doch die Firma, welche ein Solarfahrzeug für ihn entwickelt hatte, merkte erst einen Monat vor dem Rennen, dass sie es gar nicht bauen konnte. Also sprang die Horlacher AG ein. «Das notfallmässig angefertigte Auto befriedigte mich zwar nicht, aber ich hatte Blut gerochen», gesteht der Patron.

Nach den Solarfahrzeugen folgte der Bau windschlüpfriger Velos. Was in der Konstruktion von Scheibenrädern für Rad-Weltmeisterin Barbara Ganz gipfelte. Die gewonnenen Erkenntnisse waren für die Entwicklung der Elektrofahrzeuge sehr dienlich.

Seiner Heimatgemeinde Möhlin ist er treu geblieben. Obwohl ihm das heutige Ortsbild nicht mehr so gut gefällt, man habe den Charakter der Gemeinde leider nicht erhalten können. «Aber wenn ich die Augen schliesse, ist es wieder das wunderschöne Dorf, in dem ich aufgewachsen bin.» Aller Kritik zum Trotz liebt Horlacher Möhlin und würde niemals wegziehen.

25 Personen beschäftigt die Horlacher AG in der Fricktaler Gemeinde, weltweit sind es 100. Ein relativ bescheidener Personalbestand, doch eine grosse Firma zu haben war Max Horlacher nie wichtig gewesen, für ihn zählt, was er herstellt. «Ich hätte zum Beispiel nie mit Gummibärchen reich werden wollen. Alles was ich mache, muss einen Sinn haben.» Dabei gehe es ihm nicht darum, etwas zu erfinden. Er habe immer Innovationen liefern müssen, um sein Geschäft am Leben zu erhalten. «Oft waren meine Erfindungen Verzweiflungstaten, die unter allerhöchstem Lieferdruck entstanden», gesteht er. Seine Eingebungen bringt er kaum je am Reissbrett zu Papier: «Wenn ich zeichne, dann am liebsten auf einem Bierdeckel, einem Couvert oder einer Rechnung, weil das so unverbindlich ist.» Ein spitzbübisches Lächeln kann er sich bei dieser Aussage nicht verkneifen.

Einen solchen Streich lieferte er auch für die FEI World Equestrian Games 2006 in Aachen (D), die Weltreiterspiele. Vorschläge zur Gestaltung des Parcours und seiner Hindernisse reichte er nämlich als Mini-Zeichnungen in einer Streichholzschachtel ein. Und tatsächlich: Seine Entwürfe wurden gutgeheissen, sodass der ehemals aktive Military-Reiter Max Horlacher massgeblichen Einfluss auf die Veranstaltung ausübt. Seine drei Bubenträume – der Autobau, die Fliegerei und das Reiten – haben ihn also ein Leben lang begleitet. Und sich erfüllt.

Inzwischen ist Max Horlacher über 70 Jahre alt. Doch noch immer sprüht der Querdenker vor Ideen. Seine Augen glänzen, wenn er von seinen Projekten erzählt. Weshalb hat er sich ausgerechnet der Leichtbauweise verschrieben? Das Schlüsselerlebnis dazu hatte Max Horlacher in seiner Kindheit. «Wenn wir als Buben die Milch zur Käserei brachten, war der Karren auf dem Hinweg sehr schwer. Auf dem Rückweg dagegen musste man ihn nur leicht anstossen, dann rollte er von alleine. Da wurde mir klar, dass viel Gewicht viel Energie verbraucht», erinnert er sich. Inzwischen ist mit dem Umweltschutz eine weitere Motivation dazugekommen. «Wer heutzutage nicht grün ist, ist nicht normal, schliesslich isst ja auch niemand Reissnägel, sondern Salat», lautet die ebenso einfache wie schonungslose Erklärung. Mit «grün» meint er jedoch nicht die Parteizugehörigkeit, sondern die allgemeine Lebenseinstellung. Deshalb fährt der Firmenboss auch keine teure Luxuslimousine, sondern einen äusserst sparsamen VW Lupo.

Dass er sich mit derart pointierten Äusserungen nicht nur Freunde schafft, ist ihm klar. «Für die Leute am Stammtisch in der Beiz bin ich natürlich ein hundertprozentiger Spinner.» Aber das stört Max Horlacher nicht.

 

Die Horlacher AG im Netz
Wer mehr über Max Horlachers Erfindungen und seine Firma erfahren möchte, findet auf der Homepage www.horlacher.com viele interessante und spannende Informationen.

Ein Buchtipp
Der Umweltschutz sowie der vernünftige Umgang mit unseren Ressourcen liegen Max Horlacher sehr am Herzen. Aus diesem Grund empfiehlt er folgendes Buch zur Lektüre: «Wir Wettermacher – Wie der Mensch das Klima verändert und was das für unser Leben auf der Erde bedeutet» von Tim Flannery, erschienen beim Fischer Verlag, erhältlich im Buchhandel für Fr. 34.90.

Filmtipp in eigener Sache
Der auf dieser Seite gezeigte kleine Filmausschnitt der Erfindungen von Max Horlacher kann in der Gemeindebibliothek in voller Länge, Grösse und Qualität ausgeliehen werden

 

Findiger Kopf aus dem Fricktal
Piktogramm der 3 Kirchen von Möhlin